Framework – Überblick
Das Architecture Responsibility Framework (ARF) beschreibt nicht, wie Systeme gebaut werden.
Es beschreibt, wann Architektur gilt.
ARF setzt dort an, wo viele Architekturansätze bewusst aufhören:
bei Verantwortung, Verbindlichkeit und akzeptierten Zuständen.

Worum es im Kern geht
In vielen Organisationen existieren:
– saubere Architekturdiagramme – dokumentierte Entscheidungen – abgestimmte Zielbilder
Und dennoch:
werden Entscheidungen relativiert, verlieren Zustände ihre Gültigkeit
bleibt unklar, wer wofür einsteht – ARF adressiert genau diesen Bruch.

Die zentrale Frage von ARF
Wann ist eine Architekturentscheidung verbindlich – und für wen?
Nicht:
-
wann sie dokumentiert ist
-
wann sie beschlossen wurde
-
wann alle zugestimmt haben
Sondern:
-
wann sie gilt
-
wann sie getragen wird
-
wann sie durchsetzbar ist
Architektur als akzeptierter Zustand
ARF definiert Architektur nicht als Entwurf, sondern als akzeptierten Zustand.
Ein Zustand gilt nur dann als Architektur, wenn:
– er explizit entschieden wurde – er einen klaren Geltungsbereich hat – er einen verantwortlichen Eigentümer besitzt – er als Maßstab für Abweichungen dient
Ohne akzeptierten Zustand gibt es:
– keine Verbindlichkeit – keine Governance – keine belastbare Verantwortung

Entscheidung ≠ Meinung
Ein zentrales Prinzip von ARF:
Eine Entscheidung ohne Durchsetzung ist keine Entscheidung, sondern eine Meinung.
ARF trennt klar zwischen:
-
Diskussion
-
Absicht
-
Entscheidung
-
gültigem Zustand
Diese Trennung ist bewusst unbequem – aber notwendig.
Verantwortung ist nicht delegierbar
ARF macht Verantwortung explizit sichtbar.
Für jede relevante Architekturentscheidung muss klar sein:
-
wer entscheidet
-
wer trägt die Konsequenzen
-
wer Abweichungen genehmigt
-
wer eingreifen muss, wenn der Zustand verletzt wird
Ohne diese Klarheit entsteht Schein-Governance.

Der schlechteste Fall als Maßstab
ARF bewertet Architektur nicht am Best Case, sondern am schlechtesten tragfähigen Fall.
Fragen, die ARF erzwingt:
-
Was passiert, wenn es schiefgeht?
-
Wer entscheidet dann?
-
Wer haftet fachlich?
-
Wer darf eingreifen?
Wenn diese Fragen nicht beantwortbar sind, ist die Architektur nicht tragfähig.

Governance als Rahmen, nicht als Prozess
ARF versteht Governance nicht als:
-
Gremium
-
Freigabekaskade
-
Prozessmodell
Sondern als klaren Rahmen, der sagt:
-
wann etwas gilt
-
wann es überprüft wird
-
wann es nicht mehr gilt
Governance dient der Stabilität, nicht der Bürokratie.
Übertragbarkeit als Qualitätstest
Eine Architektur ist nur dann gut, wenn sie:
-
erklärbar
-
nachvollziehbar
- übertragbar
ist.
ARF nutzt Übertragbarkeit als härtesten Qualitätstest:
Wenn ein Zustand nicht auf eine andere Organisation, ein anderes Team oder einen anderen Kontext übertragbar ist, war er zufällig – nicht architektonisch.
Was ARF bewusst nicht liefert
ARF ist kein:
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Methodenhandbuch
-
Toolset
-
Prozessframework
-
Ersatz für TOGAF, SAFe, Scrum oder ITIL
ARF ergänzt bestehende Ansätze dort, wo sie Verantwortung offenlassen.
Wie es weitergeht
Die folgenden Seiten konkretisieren das Framework:
-
Grundlagen – Begriffe, Abgrenzungen, Denkrahmen
-
Prinzipien – die unverhandelbaren Leitlinien von ARF
-
Entscheidungen – Aufbau, Gültigkeit und Lebenszyklus
-
Governance – wann Kontrolle notwendig ist
-
Lifecycle – Entstehen, Geltung, Revision, Auflösung
Kurz gesagt
ARF beantwortet nicht die Frage:
Wie bauen wir Systeme?
Sondern:
Wann tragen sie – und wer steht dafür ein?