Entscheidungen
Im Architecture Responsibility Framework (AR-F)
sind Entscheidungen keine Meinungen, keine Empfehlungen und keine Dokumente.
Eine Architekturentscheidung ist nur dann eine Entscheidung, wenn sie gilt.
Alles andere ist Vorarbeit.

1. Was AR-F unter einer Entscheidung versteht
Eine Entscheidung im Sinne von AR-F ist:
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bewusst getroffen
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explizit formuliert
-
in ihrem Geltungsbereich klar begrenzt
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mit Verantwortung versehen
-
durchsetzbar
Eine Entscheidung ist kein Konsens, kein Workshop-Ergebnis und keine implizite Übereinkunft.
2. Entscheidung ≠ Dokumentation
AR-F trennt strikt zwischen:
-
Entscheidung
-
Dokumentation der Entscheidung
Ein ADR (Architecture Decision Record) kann eine Entscheidung beschreiben.
Er macht sie nicht gültig.
Dokumentiert ist nicht gleich entschieden.
Die Gültigkeit entsteht nicht durch das Artefakt, sondern durch Akzeptanz, Verantwortung und Durchsetzung.
3. Wann eine Entscheidung gilt
Eine Entscheidung gilt nur dann, wenn alle folgenden Punkte erfüllt sind:
-
Explizite Festlegung
Die Entscheidung ist klar benannt. Keine impliziten Annahmen. -
Definierter Geltungsbereich
Wo gilt sie – und wo ausdrücklich nicht? -
Verantwortliche Rolle
Eine klar benannte Instanz trägt die fachliche Verantwortung. -
Durchsetzbarkeit
Abweichungen sind erkennbar und adressierbar. -
Zeitliche Einordnung
Die Entscheidung ist überprüfbar oder befristet.
Fehlt einer dieser Punkte, gilt die Entscheidung nicht.
4. Entscheidung und Verantwortung
AR-F koppelt jede Entscheidung zwingend an Verantwortung.
Zu jeder Entscheidung muss klar sein:
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wer sie getroffen hat
-
wer sie verantwortet
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wer sie revidieren darf
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wer im Eskalationsfall entscheidet
Ohne verantwortliche Rolle existiert keine gültige Entscheidung.
5. Abweichungen sind Teil des Systems
AR-F geht nicht von perfekten Umsetzungen aus.
Abweichungen:
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sind erwartbar
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sind sichtbar zu machen
-
sind bewusst zu entscheiden
Wichtig ist nicht, dass es keine Abweichungen gibt,
sondern dass klar ist:
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wer sie genehmigt
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wann sie akzeptiert sind
-
wann sie aufgehoben werden
Unbemerkte Abweichungen zerstören Gültigkeit.
6. Entscheidungen haben einen Lebenszyklus
Eine Entscheidung gilt nicht unbegrenzt.
AR-F fordert für jede relevante Entscheidung:
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einen Auslöser zur Überprüfung
-
Kriterien für Weitergeltung
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einen klaren Weg zur Revision oder Aufhebung
Was nicht überprüft werden kann, ist dogmatisch – nicht architektonisch.
7. Der schlechteste Fall entscheidet über Qualität
Die Qualität einer Entscheidung zeigt sich nicht im Normalbetrieb.
AR-F stellt deshalb die Frage:
Was passiert im schlechtesten noch akzeptablen Fall – und wer handelt dann?
Wenn diese Frage nicht beantwortbar ist,
ist die Entscheidung nicht tragfähig.
8. Typische Fehlannahmen über Entscheidungen
AR-F widerspricht bewusst verbreiteten Annahmen:
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❌ „Das haben wir dokumentiert, also gilt es.“
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❌ „Darüber haben wir abgestimmt.“
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❌ „Das war mal beschlossen, aber…“
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❌ „Das ist historisch gewachsen.“
Keine davon begründet Gültigkeit.
9. Entscheidungen als Stabilitätsanker
Gültige Entscheidungen schaffen:
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Stabilität
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Orientierung
-
klare Grenzen
Sie sind kein Hemmnis für Agilität,
sondern deren Voraussetzung.
Ohne stabile Entscheidungen gibt es keine sinnvolle Anpassung.
Zusammengefasst
Im AR-F gilt:
- Entscheidungen sind explizit
- Gültigkeit ist kein Nebenprodukt
- Verantwortung ist zwingend
- Durchsetzung ist notwendig
- Revision ist vorgesehen
Nur dann entsteht Architektur, die trägt.