Die vier Säulen des Architecture Responsibility Frameworks

Die hier beschriebenen vier Säulen sind keine Module, keine Bausteine und keine Elemente, die man auswählen oder kombinieren kann. Sie beschreiben vier unverhandelbare Bedingungen, die gleichzeitig erfüllt sein müssen, damit Architektur überhaupt als tragfähig gelten kann. Fehlt eine davon, gibt es keine Architektur, sondern lediglich Entwurf, Absicht oder Erklärung.

1. Gültigkeit statt Absicht

Architektur ist nicht das, was beabsichtigt war.
Architektur ist das, was gilt.

Eine Entscheidung ist nur dann architektonisch relevant, wenn sie:

  • explizit getroffen wurde

  • nachvollziehbar dokumentiert ist

  • verbindlich angewendet wird

Absichtserklärungen, Zielbilder oder „wir wollen später“ sind keine Architektur.
Was nicht gilt, existiert nicht.

Architektur beginnt dort, wo Entscheidungen nicht mehr verhandelbar sind.

SaueleGueltigkeit
SaueleVerantwortung

2. Verantwortung statt Erklärung

Architektur ist kein Diskursraum, sondern ein Verantwortungsraum.

Jede architektonische Entscheidung muss:

  • einer konkreten Person zugeordnet sein

  • über ihre gesamte Wirkungsdauer verantwortet werden

  • auch dann gelten, wenn sich Umstände ändern

Erklärungen ersetzen keine Verantwortung.
Rollen ersetzen keine Namen.
Gremien ersetzen keine Zuständigkeit.

Wo niemand verantwortlich ist, ist auch nichts entschieden.

Tragfähigkeit unter Druck

Architektur muss nicht im Idealzustand funktionieren,
sondern unter Belastung.

Bewertet wird nicht:

  • der Best Case

  • die saubere Präsentation

  • das gewünschte Ergebnis

Bewertet wird:

  • das Verhalten im Fehlerfall

  • unter Zeitdruck

  • bei Personalausfall

  • bei Zielkonflikten

Was unter Druck nicht trägt, war nie Architektur.

Der schlechteste Fall ist der einzige ehrliche Maßstab.

SaueleTragfaehigkeit
SaueleQuali

4. Übertragbarkeit als Qualitätstest

Gute Architektur ist erklärbar – auch außerhalb des ursprünglichen Kontexts.

Eine Entscheidung ist nur dann architektonisch sauber, wenn:

  • ihre Begründung reproduzierbar ist

  • sie auf andere, vergleichbare Situationen übertragbar wäre

  • sie nicht ausschließlich vom Autor oder Projekt abhängt

„Das war bei uns halt so“ ist kein Argument.
Einmaligkeit ist kein Qualitätsmerkmal.

Was sich nicht übertragen lässt, ist nicht verstanden.

Zusammenspiel der Säulen

Die vier Säulen gelten gleichzeitig. Sie verstärken sich gegenseitig und sind nicht substituierbar. Gültigkeit ohne Verantwortung führt zu Macht ohne Haftung. Verantwortung ohne Tragfähigkeit ist Fahrlässigkeit. Tragfähigkeit ohne Übertragbarkeit ist Zufall. Übertragbarkeit ohne Gültigkeit ist Theorie.

AR-F akzeptiert keine dieser Abkürzungen.

Einordnung

Diese Säulen ersetzen keine Methoden, keine Frameworks und keine Prozesse. Sie definieren den Mindeststandard, unter dem Architektur nicht mehr verantwortbar ist.

Alles Weitere – Prozesse, Methoden, Werkzeuge – findet innerhalb dieses Rahmens statt.