Governance
Im Architecture Responsibility Framework (AR-F) ist Governance kein Organ,
kein Prozess und kein Kontrollapparat.
Governance ist der Rahmen, der dafür sorgt, dass Architektur gilt.
Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

1. Wozu Governance existiert
Governance existiert nicht, um:
-
Architektur zu entwerfen
-
technische Details zu entscheiden
-
Teams zu steuern
Governance existiert, um sicherzustellen, dass:
-
akzeptierte Zustände gelten
-
Entscheidungen durchsetzbar bleiben
-
Abweichungen sichtbar werden
Ohne Governance verlieren Entscheidungen ihre Wirkung.
2. Governance greift nur, wenn es nötig ist
AR-F lehnt permanente Kontrolle ab.
Governance greift:
-
bei Abweichungen
-
bei Konflikten
-
bei Unsicherheit über Gültigkeit
-
bei eskalationswürdigen Risiken
Governance ist punktuell, nicht permanent.
Alles andere ist Mikromanagement.
3. Governance schützt Zustände, nicht Meinungen
Governance schützt ausschließlich:
-
akzeptierte Architekturzustände
-
gültige Entscheidungen
-
klar definierte Geltungsbereiche
Sie schützt keine Entwürfe, keine Präferenzen und keine historischen Artefakte.
Was nicht gilt, braucht auch keinen Schutz.
4. Rollen statt Gremien
AR-F bevorzugt klare Rollen gegenüber anonymen Gremien.
Entscheidend ist nicht:
-
wie viele beteiligt sind
-
wie oft getagt wird
Sondern:
-
wer entscheiden darf
-
wer Verantwortung trägt
-
wer eingreifen muss
Governance funktioniert über Verantwortung, nicht über Sitzungen.
5. Abweichungen sind der Normalfall
Governance geht nicht von Konformität aus.
Abweichungen:
-
passieren
-
sind sichtbar zu machen
-
sind bewusst zu behandeln
Governance stellt sicher, dass:
-
Abweichungen erkannt werden
-
sie entweder genehmigt oder korrigiert werden
-
ihre Konsequenzen getragen werden
Unklare Abweichungen zerstören Gültigkeit.
6. Eskalation ist kein Scheitern
Eskalation ist kein Zeichen schlechter Architektur.
Eskalation ist ein Governance-Werkzeug.
Sie wird notwendig, wenn:
-
Gültigkeit verletzt wird
-
Verantwortung unklar ist
-
Risiken nicht mehr tragbar sind
Governance definiert wann eskaliert wird – nicht ob.
7. Governance ist kontextabhängig
Governance ist nicht universell.
Sie hängt ab von:
-
Kritikalität des Systems
-
Risikoexposition
-
Organisationsreife
-
regulatorischen Anforderungen
AR-F fordert keine Einheitslösung, sondern passende Rahmen.
8. Governance endet dort, wo Klarheit herrscht
Wenn:
-
Zustände klar sind
-
Verantwortung eindeutig ist
-
Entscheidungen gelten
dann hat Governance nichts zu tun.
Gute Governance ist leise.
Zusammengefasst
Governance im Sinne von AR-F bedeutet:
- Schutz statt Steuerung
- Rahmen statt Prozess
- Verantwortung statt Gremium
Eingriff nur bei Bedarf
Sie ist nicht sichtbar, solange alles trägt.Aber unverzichtbar, wenn es nicht mehr trägt.