Lifecycle

Architektur ist kein einmaliger Akt. Und sie ist kein Dauerzustand.

Architektur lebt – oder sie veraltet.

Das Architecture Responsibility Framework (ARF) beschreibt Architektur deshalb immer als Zustand mit Lebenszyklus.

Lifecycle 1

1. Architektur entsteht nicht zufällig

Ein Architekturzustand entsteht nicht durch:

  • implizite Übereinkünfte

  • schleichende Entwicklung

  • historische Gewohnheit

Ein Zustand existiert erst dann, wenn er bewusst akzeptiert wurde.

Der Lifecycle beginnt mit einer expliziten Entscheidung – nicht mit Implementierung.

2. Entstehen – vom Entscheid zur Gültigkeit

Ein Zustand wird gültig, wenn:

  • eine Entscheidung getroffen wurde

  • der Geltungsbereich definiert ist

  • Verantwortung benannt ist

  • der Zustand kommuniziert und akzeptiert ist

Erst dann dient er als Referenz für:

  • Bewertung

  • Abweichungen

  • Governance

Vorher existiert nur Absicht.

3. Gültigkeit ist kein Dauerzustand

Gültigkeit bedeutet nicht Unveränderlichkeit.

Ein gültiger Zustand ist stabil, aber nicht sakrosankt.

ARF fordert deshalb:

  • Kriterien für Überprüfung

  • klare Anlässe für Neubewertung

  • Bewusstsein für zeitliche Begrenzung

Was nicht überprüfbar ist, erstarrt.

4. Überprüfung ist Pflicht, nicht Misstrauen

Überprüfung bedeutet nicht:

  • Infragestellung der Entscheidung

  • Misstrauen gegenüber den Entscheidern

  • permanente Rechtfertigung

Überprüfung bedeutet:

  • Ist der Zustand noch tragfähig?

  • Trägt er unter aktuellen Rahmenbedingungen?

  • Ist der Worst Case weiterhin akzeptabel?

Nicht überprüfte Architektur verliert still ihre Gültigkeit.

5. Revision ist Teil der Verantwortung

Wenn ein Zustand nicht mehr trägt, muss er:

  • angepasst

  • ersetzt

  • oder aufgehoben

werden.

ARF betrachtet Revision nicht als Scheitern, sondern als verantwortliches Handeln.

Was nicht revidiert werden darf, wurde nie sauber entschieden.

6. Aufhebung ist ein bewusster Akt

Ein Zustand verliert seine Gültigkeit nicht implizit.

Aufhebung ist eine Entscheidung.

Sie erfordert:

  • Klarheit darüber, was nicht mehr gilt

  • Kommunikation des Endes der Gültigkeit

  • Umgang mit bestehenden Abweichungen

Ohne Aufhebung entstehen Schattenzustände.

8. Der Lifecycle endet nie vollständig

Auch aufgehobene Entscheidungen haben einen Platz:

  • als Kontext

  • als Lernquelle

  • als historische Referenz

Aber:

Sie haben keine normative Wirkung mehr.

Vergangenheit erklärt – sie legitimiert nicht.

7. Parallelität ist erlaubt – Unklarheit nicht

ARF erlaubt:

  • parallele Zustände

  • Übergangsphasen

  • temporäre Ausnahmen

Aber:

Nie ohne klare Kennzeichnung von Gültigkeit.

Parallelität ohne Klarheit zerstört Orientierung.

Zusammengefasst

Der Architektur-Lifecycle im ARF bedeutet:

explizites Entstehen - bewusste Gültigkeit - verpflichtende Überprüfung - verantwortliche Revision - klare Aufhebung

 

Architektur ist damit kein statisches Konstrukt,
sondern dauerhafte Verantwortung.

ARF LOGO

Mit Grundlagen, Prinzipien, Entscheidungen, Governance und Lifecycle ist der Rahmen vollständig.

ARF beantwortet nicht:

Wie baut man Systeme?

Sondern:

Wann gelten sie – und wer steht dafür ein?